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Response Priming als Zugang zu vorbewussten visuellen Repräsentationen

Subject Area General, Cognitive and Mathematical Psychology
Term from 2002 to 2013
Project identifier Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Project number 5388338
 
Final Report Year 2013

Final Report Abstract

Response Priming besteht darin, dass die motorische Reaktion auf einen Zielreiz (Target) bereits durch einen kurz zuvor präsentierten Bahnungsreiz (Prime) ausgelöst wird, weil dieser die für die Reaktionsauswahl kritischen Reizmerkmale besitzt. Response Priming ist durch die folgenden Eigenschaften charakterisiert. 1) Der Prime löst die mit ihm verknüpfte Reaktion aus und führt ggf. zu einem Antwortkonflikt mit dem Target. 2) Je länger das Zeitintervall zwischen Prime und Target (SOAs bis 100 ms), desto größer der Antwortkonflikt und der Priming-Effekt in Reaktionszeiten und Fehlerraten. 3) Führt das Target zu visueller Maskierung des Primes, so ist der Priming-Effekt unabhängig von der Sichtbarkeit des Primes (die Anwesenheit einer Maske als drittem Reiz macht die Lage komplizierter). 4) Der Ablauf des Reaktionskonfliktes lässt sich in geprimten Zeigebewegungen und lateralisierten Bereitschaftspotentialen detailliert nachverfolgen. 5) Die früheste Phase motorischer Aktivierung ist invariant; sie hängt nur von Eigenschaften des Primes ab und ist unabhängig von Eigenschaften des Targets. 6) Priming-Effekte treten in voller Größe bereits in den schnellsten Reaktionszeiten auf. 7) Priming-Effekte können durch eine Vielzahl von Reizmerkmalen entstehen: Form, Farbe, semantische Bildkategorie, Gruppierung, Symmetrie und Geschlossenheit von Konturen, Scheinkonturen. 8) Priming-Effekte können verwendet werden, um die Verarbeitungseffizienz verschiedener Reizeigenschaften im frühesten motorischen Output zu verfolgen. 9) Priming-Effekte werden durch raum- oder merkmalsbasierte Aufmerksamkeit verstärkt; die Verstärkung betrifft alle motorischen Asperkte der Reaktion. 10) Priming-Effekte werden durch besonders saliente (z.B. phobische) Reize verstärkt. 11) Stärkere Primes vergrößern die Priming-Effekte; stärkere Targets verringern die Gesamtreaktionszeiten. 12) Priming-Effekte können der bewussten Wahrnehmung qualitativ widersprechen, z.B. bei Priming unter visueller Maskierung oder visuellen Täuschungen. Die Rapid-Chase-Theorie erklärt Response Priming durch einen Antwortkonflikt während der sequentiellen Feedforward-Aktivierung durch Prime und Target. Sie betrachtet Response Priming als reinen Feedforward-Prozess, der noch unabhängig von der rekurrenten Verarbeitung des Primes und deshalb unabhängig von der späteren bewussten Wahrnehmung erfolgt. Die Rapid-Chase-Theorie macht quantitativ überprüfbare Vorhersagen und legt eine grundsätzliche Unterscheidung zwischen traditionellen psychophysischen Urteilen und impliziten Maßen der schnellen Antwortaktivierung nahe ("slow vs. fast psychophysics").

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